Josef Schulz
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Pressetext der Galerie Heinz-Martin Weigand, von Julia Beisler

Josef Schulz, geboren 1966, studierte bei Bernd Becher und Thomas Ruff Fotografie. 2001 wurde er als Europäischer Architekturfotograf des Jahres ausgezeichnet, 2007 erhielt er das Stipendium der ZF-Kulturstiftung, Friedrichshafen. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Die Galerie Weigand zeigt als Jahresauftakt 2010 neue Fotografien von Josef Schulz. Man kann sie als Erweiterung der Werkserie „Sachliches“ betrachten, folgt man der Faszination des Künstlers für industriell geprägte Gebiete und Vorstädte.

"Sign out" lautet der Titel und beschreibt die Serie treffend, denn Schulz widmet sein Interesse diesmal der variantenreichen Fülle von Werbeschildern - wie sie an besagten Orten vorkommen - fotografiert auf Reisen durch die USA. Diese markanten Leuchtkörper bilden in Natura eine zweite Ebene oberhalb der angesiedelten Architektur und verweisen auf deren jeweilige Spezifikation. Sie sind Träger von Textbotschaften und dienen einzig dem Hinweis und der Verführung.

Genau hier greift Schulz ein, befreit die Schilder mittels digitaler Manipulation von ihrer „Bezeichnung", somit von der Funktion; er kappt die Kommunikation, sign out. Das ursprüngliche Gebilde aus „form and function“ ist nun reduziert auf die reine Form, wandelt sich somit zum skulpturalen künstlerischen Objekt.

Diesen Eindruck bestärkt Josef Schulz durch die minutiöse Bearbeitung am Computer mit dem Fokus auf die Hervorhebung von Form, Farben und Glanz, bzw. Mattigkeit. Es entstehen autonome räumliche Körper, an denen keinerlei Kratzer, Defekte, oder andere Spuren sichtbar sind, scheinbar zeitlos, künstlich.

Die Autonomie des Objekts resultiert auch durch die gewählte Perspektive seiner Aufnahmen. Unverortet, ohne jeglichen Hinweis auf umliegende Gebäude oder eine spezifische Vegetation, lässt allein der jeweilig abgebildete Himmel die Spekulation auf unterschiedliche Standorte zu. Diese Himmelsfarben bilden in ihrer pastellenen Farbverläufen einen Kontrast zu den knallig abgesetzten Farbfeldern der Schilder und deren geometrischen Ausführung. Die verschiedenen Kombinationen wecken unterschiedliche Stimmungen; der graue Himmel zu weißem Schild hat eine andere Wirkung als das gelbe Schild vor strahlend blauem Himmel. Ein Kondensstreifen suggeriert Tiefe und Weite im Bild, man kann eine Größendimension erahnen, was in den anderen Fotografien offen bleibt. Dort schwankt der Blickpunkt zwischen Modell und Realität.

Neben ihren starken ästhetischen Reizen haben diese neuen Fotografien auch einen absurden Moment. In ihrer Funktionslosigkeit wirken sie fast comicartig; als leere Sprech- oder Denkblasen hinterfragen sie ihre Umgebung, erzählen von der Austauschbarkeit von Wünschen und reflektieren die Mechanismen des eigenen Begehrens.